Montag, 1. Oktober 2018

Japanische Steinlaterne


Eine japanische Steinlaterne darf in keinem japanischen Garten fehlen. Die Laternen haben eine sehr lange Tradition und bestehen aus handgehauenem Stein. Sie wurden ursprünglich im Eingang der japanischen Tempel platziert, um den Weg zu den traditionellen Teegärten zu weisen. Das Licht der Laternen ist nicht sehr erhellt, da ein japanisches Sprichwort besagt, die Laternen dürfen zum Mond keine Konkurrenz darstellen. Die Produktion der Steinlaternen ist ein hoch geachtetes Handwerk in Japan mit einer sehr alten Tradition. Die eindrucksvollen Laternen bestehen aus 5 Einzelteilen, die so kunstvoll gearbeitet sind, dass sie haargenau aufeinander passen ohne umzufallen. Die schönsten und ältesten Steinlaternen findet man in den Tempelgärten in Kyoto, Tokyo oder Osaka. Der besondere Eyecatcher bildet die Moosschicht auf den zwei obersten Elementen, die sich erst nach vielen Jahren im Freien bildet. Diese Laterne ist eine neue Bereicherung meines Japangartens. Heute angekommen und aufgestellt, bringt sie sich in der Abendsonne auch ganz ohne Beleuchtung in ein eindrucksvolles Licht. Ein Sprichwort sagt: You never get a second chance to make a first impression. Meine Laterne hat die modernen Spielregeln schnell verstanden.

Sonntag, 6. Mai 2018

Der verarmte Samurai und seine drei Bonsai...


Bonsai übersetzt Baum in der Schale ist eine japanische Entwicklung einer alten fernöstlichen Gartenkunst. Im 10. Jahrhundert brachten buddhistische Mönche die Bonsaikunst nach Japan. Ein uraltes überliefertes Volksmärchen aus dem 14. Jahrhundert erzählt von dem Fürsten Tokiyori, der sich ein Bild von den Sorgen und dem Alltag seiner Untertanen machen wollte. Er reist als Bettelmönch inkognito über Berge durch tiefsten Schnee und erreicht die bescheidene Behausung des verarmten Samurai Genzaemon Tsuneyo, der als letzten wertvollen Besitz nur noch drei Bonsai Bäumchen sein eigen nennt, die ihm besonders am Herzen liegen. Tokiyori bittet ihn um Quartier, der Samurai nimmt ihn trotz seiner Armut auf. In einer kalten Winternacht opfert Genzaemon seine Bäume als Brennholz, damit der Gast sich aufwärmen kann. Ein halbes Jahr später wird Tokiyori ihn dafür und für seine Loyalität belohnen. Die Erzählung ist in Japan zu einem populären Theaterstück geworden. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Geschichte auch immer wieder auf Holzschnitten dargestellt. Nur ein Bonsai Liebhaber kann sich vorstellen, welch großes Opfer das für den armen Samurai gewesen sein muss.


Dienstag, 13. Juni 2017

Die Seele eines Japangartens


...wenn man einen Arbeitstag hinter sich hat, kann man sich bei einem Glas Wein entspannt auf die Terrasse setzen. Man kann aber auch den Rasenmäher aus der Garage holen und zum Abend noch 2 Stunden Rasen mähen. Nach dem setzen der Akzentsteine kann das leicht einen Abend in Anspruch nehmen, denn um die Steine herum kommt der Rasenmäher nicht hin und man muss mit viel Geduld die Rasenschere zur Hilfe nehmen und das Gras sauber abschneiden. Man könnte schnell geneigt sein, diese Form der Gartengestaltung zu bereuen, wenn man aber am Morgen die Rollläden auf macht und ein erfrischter und zufriedener Garten mir ein freundliches Lächeln zuwirft, dann bereue ich nichts. einen japanischen Garten zu pflegen bedeutet die 7 Regeln der Gartenkunst einzuhalten: Do it yourself, stay real, repeat, observe, surprise, demystify, find the right place. Anne Maynard sagte: Das Gefühl für den richtigen Platz ist die Seele eines Gartens.


Sonntag, 21. Mai 2017

von Morgenstunden und Musen...


Manchmal kann der frühe Morgen eine Überraschung sein. Wir alle kennen das Sprichwort Morgenstund hat Gold im Mund. Der lateinische Lehrbuchsatz aurora habet aurum in ore...bezieht sich auf die personifizierte Morgenröte, die Gold im Mund und im Haar trägt. In einem Brief des Erasmus von Rotterdam an seinen Schüler Christian Northoff spricht dieser von der Morgenstunde als die Freundin der Musen. Eine solche frühmorgendliche Inspirationsquelle fand ich heute beim öffnen des Aussenrollos vor...meine Bonsai Eiche, die im Vorhangschal des Fensters ihren Schatten warf...man erlebt nicht das, was man erlebt sondern wie man es erlebt.

Dienstag, 18. April 2017

Dance in the rain...


Nach 2 Wochen harter Gartenarbeit und der Umgestaltung meines Zengartens ist Ostern verregnet. Meine japanischen Ahorne freuen sich über den Regen, winken erfreut mit ihren zarten Zweigen und lehren mich Geduld ... life is not about waiting for the storm to pass it's about learning to dance in the rain...

Mittwoch, 12. April 2017

acer palmatum Sangokaku...


Ein Japangarten ist nie wirklich fertig, er unterliegt dem Wandel der Jahreszeiten, dem Wachstum und der Gestaltung des Gärtners. Ein fernöstliches Sprichwort sagt: Stillstand ist Rückgang. Nicht nur wir Menschen, auch die Natur muss sich manchmal neu erfinden, sich der Veränderung und neuen Lebensbedingungen beugen. Das Wochenende stand mit perfektem Wetter ganz im Zeichen des Gartens. Zu wuchsfreudige und arbeitsintensive Kugelrobinien wurden gefällt, die freien Plätze boten Raum für Wandel und Veränderung und trieben mich in eine herrliche saarländische Baumschule. Nach kurzem Stöbern führte mich der Blick des blitzartigen Erkennens sehr schnell zu einem japanischen Ahorn. Nun ist es ja nicht so, dass ich nicht schon zahlreiche Ahorne im Garten stehen habe, doch dieser Acer palmatum Sangokaku ist etwas Besonderes. Der sogenannte Korallenahorn besticht durch seine leuchtend rote Rinde mit grünem Blattwerk und ist eine Rarität unter den japanischen Ahornarten. Als Mehrfachstamm und seiner derzeit 2 m Wuchshöhe ist er einfach eine Augenweide. Schnell war klar, dass Baum und Geld ihre Besitzer wechseln. Zusammen mit einer japanischen Bergkiefer wird er in den Mini verladen. Mit umgeklappter Rückbank und dem Sangokaku bis zur Frontscheibe liegend trete ich die Heimfahrt an. Morgen wird er seinen Standort beziehen, Fotos folgen nach dem Austrieb, wenn Stamm und Blatt sich in fast märchenhaftem Kontrast zeigen. Hildegard von Bingen sagte: Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün. Im meinem Fall rot/grün.


Acer Palmatum Katsura


Renovierungen und Modernisierungen haben ein Suchtpotenzial und einmal begonnen, können sie schnell eine Kettenreaktion nach sich ziehen. Das gilt für Haus und Garten gleichermaßen. Was vor mehr als zehn Jahren gepflanzt wurde, kann heute einer anderen Vorstellung unterliegen. Unser Geschmack verändert sich im Wandel der Zeit ebenso wie auch Anregungen Raum für neue Planungen geben. Anfang der Woche hatte ich mich dem Projekt Garten gewidmet und Bäume gefällt, neue gepflanzt und so entstanden wiederum viele neue Bilder in meinem Kopf, die mich wieder in die Baumschule trieben. Dieses Mal hatte ich schon auf dem Weg dorthin das Bild eines Goldahorns im Kopf und ich wurde tatsächlich fündig. Meine Wahl fiel auf einen prächtigen Acer palmatum katsura mit unbeschreiblichem rotgelbem Blattwerk. Wieder musste ein älterer Baum Platz machen und so steht der Katsura nun vor meiner Terrasse und verwöhnt mich schon beim morgendlichen Kaffee mit seinen Farben und seiner wunderschönen Schirmform. Seine zarten Blätter hüpfen aufmüpfig im Wind und die Sonne bringt immer wieder neue Farben hervor...life is about using the whole box of crayons...


Acer Palmatum...


Japanische Ahorne bringen herrliche Farben in jede Landschaft. Gestaltet man einen Japangarten, so dürfen Ahorne nicht fehlen. Die Frühjahrs- und Herbstfarben entscheiden über den Standort eines Acer Palmatum, da die Farben dramatische Effekte in den Garten bringen. Es gibt unzählige Sorten und Farbvarianten, ich habe grünen, pink-grün panaschierten, roten und goldfarbenen Ahorn an verschiedenen Plätzen gepflanzt, um jedem von ihnen seinen wohlverdienten Auftritt zu geben. Manche sind noch nicht vollkommen ausgetrieben und mit 1,5 bis 2 Metern Höhe haben sie noch gute Kapazität sich prächtig zu entwickeln. Die Endgröße liegt je nach Sorte bei 3-6 Metern und macht sie somit ideal für die Gartenpflanzung. Schon die Bibel lehrte uns...das Leben begann in einem Garten.


Zengärten und Wasserbecken...


In Japan sind Wasserbecken ein fester Bestandteil der Gartenkunst. Sie dienten ursprünglich zur rituellen Reinigung vor der Teezeremonie. Tsubukai Becken findet man in verschiedenen Größen und Formen. Sie sind bevorzugt aus Granit und dürfen in keinem japanischen Garten fehlen. Mein Tsukuba ist ein recht imposantes 70 KG Exemplar. Es wurde auf einer dicken Schieferplatte dekoriert, die im Boden versenkt wurde. Heute haben japanische Wasserbecken einen eher traditionellen und dekorativen Wert. So stehen auch die Steinlaternen häufig in der Nähe von Wasserbecken und sind zusammen ein Hauptbestandteil der Japangärten. Hier stehen sich die beiden Steinelemente minimalistisch dekoriert gegenüber und verbreiten in beide Blickrichtungen des Gartens japanisches Ambiente...


Mittwoch, 28. September 2016

Momiji oder der Herbst in Japan...



Der Herbst ist in Japan, ähnlich wie die Zeit der Kirschblüte im Frühjahr, ein großes Naturschauspiel, das Anlass für zahlreiche Veranstaltungen gibt, die oft seit Jahrhunderten gefeiert werden und sich dem Wandel der Zeit als auch dem Touristengeschmack angepasst haben. Von September bis in den November hinein hat Japan eine breite Palette an Naturschönheiten zu bieten…Allem voran die wunderbare Laubfärbung der Wälder. Mitte November feiert man Momiji…das Färben der Blätter. Dann stehen die Parks rund um Kyoto und Tokyo in prächtigen Farben...besonders verehrt wird der rote Ahorn für seine satten Rot-, Bronce- und Goldfärbungen. Auch heimische Wälder und Gärten zeigen bald Farbe. Eine arbeitsintensive Zeit und zugleich eine Zeit der Ruhe und Stille...Victor Auburtin sagte: Im Herbst steht in den Gärten die Stille, für die wir keine Zeit haben.